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Abschied von Vera Holstein

Und wieder eine Veränderung und ganz gewiss auch ein echter Einschnitt im Leben unserer Kirchengemeinde, an der Dreifaltigkeitskirche und darüber hinaus: Zum 1. August dieses Jahres geht unsere Organistin und Chorleiterin Vera Holstein in den Ruhestand. 1989 zunächst „nur“ für den sonntäglichen Orgeldienst an unsere Kirche gekommen, hat Vera Holstein 2001 dann auch den Kirchenchor an der Dreifaltigkeitskirche gegründet und so die Musik in unseren Gottesdiensten noch einmal enorm bereichert. 

Viele Sängerinnen und Sänger sind ihr in diesen 25 Jahren treu geblieben, was sicherlich an Vera Holsteins musikalischem wie menschlichem Fingerspitzengefühl liegt: immer wieder verstand sie es, aus der reichhaltigen Chorliteratur gerade solche Werke auszuwählen, die ihre Chormitglieder sängerisch herausfordern, ohne sie dabei aber zu überfordern. Aber auch ihre eigentlich einfach immer Wahmherzigkeit ausstrahlende Art, ihre Sensibilität im Miteinander und ihre Ruhe und Freundlichkeit selbst in Situationen der Anspannung vor Gottesdiensten und Konzerten werden mit dazu beigetragen haben, ihr in all diesen Jahren die Treue ihrer Sängerinnen und Sänger zu sichern. 

VeraHolstein
Vera Holstein, Kirchenmusikerin der lutherischen Gemeinde Detmold

Ich selbst bin ihr unendlich dankbar für ihr musikalisches Mitgestalten in ungeheuer vielen Gottesdiensten (es dürften doch über 200 sein, die wir in der Dreifaltigkeitskirche zusammen gefeiert haben), ganz besonders aber für ihre große Kooperations- und Experimentierbereitschaft und Kreativität, die sie in so viele „Gottesdienste für Große und Kleine“ mit eingebracht hat, und das meist schon in der ersten Vorbereitungsrunde mit den Teamerinnen und Teamern. Da gab es immer wieder ganz neue Lieder, Bewegungen und Tänze, und einmal sogar eine Holstein’sche Orgelimprovisation zur Geschichte des Propheten Elia, so richtig mit Erbeben, Wind und Feuer bis hin zum sanften Säuseln… Die großen und kleinen Gottesdienstbesucher konnten erleben und staunen, was die Orgel doch alles kann, wenn nur die richtige musikalische Künstlerin sie spielt…

Doch – wie hat Vera Holstein selbst all die Jahre ihres Dienstes in unserer Gemeinde erlebt? Ich habe ihr dazu einige Fragen gestellt.

Liebe Frau Holstein, als Sie damals in unsere Gemeinde kamen, war ich ja noch nicht dabei. Können Sie mal ein bisschen darüber erzählen – wie hat das eigentlich angefangen?

Die Information darüber, dass an der Dreifaltigkeitskirche die Orgelstelle frei werden würde, kam über mehrere Ecken zu mir: der damalige Küster Herr Jentz erzählte es meinem Schwiegervater, und der dann mir. Und so stellte ich mich bei Pastor Horst vor – mit meinen beiden kleinen Kindern an meiner Seite. Bevor ich aber wirklich eingestellt wurde, musste ich noch einen „Prüfungs“-Gottesdienst spielen. Erst zu Beginn erfuhr ich, dass dabei auch der damalige Kantor der Martin-Luther-Kirche, Herr Popp, zugegen war. Da war ich sehr aufgeregt.

Schön, dass es dann trotzdem geklappt hat und offenbar auch der gestrenge Herr Popp mit Ihrem Orgelspiel zufrieden war… Ich weiß ja – nicht zuletzt auch von vielen Besuchen mit den Minikonfis bei Ihnen oben auf der Orgelempore –, wie sehr Sie Ihr Instrument, unsere Steinmann-Orgel von 1961, lieben. War das eigentlich „Liebe auf den ersten Blick“? Oder verändert sich im Laufe der Jahre auch die Beziehung einer Musikerin zu ihrem Instrument?

Die zweimanualige Steinmann-Orgel mit ihren 14 klingenden Registern klang für mich zu Anfang teilweise recht schrill in den Höhen. 1996 wurden dann aber mehrere Register auf 8‘ umgestellt. Das hat den Klang mit der wunderbaren Akustik des Kirchenraumes deutlich verbessert. 

Wie ging es eigentlich mit dem Kirchenchor los? War das Ihre Idee? Und woher hatten Sie eigentlich die ersten Sängerinnen und Sänger?

2001, also nach 12 Jahren reinem Orgeldienst, ist bei mir während einer Kur die Idee einer Chorgründung gewachsen – es ging also „aus der Kur zum Chor“. Bei der ersten Chorprobe trafen sich dann etwa acht Sängerinnen und Sänger… Pastor Horst hat das aber sehr befürwortet, weil er in der Entstehung eines Chores eine Chance sah, den Gemeindegesang zu unterstützen. Er selbst hat dann auch ungefähr fünf Jahre mitgesungen. 

Gibt es Situationen im Gottesdienst – oder auch im sonstigen Chor- und Gemeindeleben –, die Sie in besonderer Erinnerung behalten haben und sicher auch niemals vergessen werden?

In den 37 Jahren konnte ich ja einige Pfarrer, vor allem aber auch einige Vikare erleben…  Ebenso die schöne Zeit der Kindergottesdienste, zum Beispiel mit Weihnachtsanspiel oder den schönen Ausflugszielen. Innerhalb der Chorarbeit bleiben mir viele besondere Geburtstage, Hochzeiten und Goldhochzeiten und unsere eigene Silberhochzeit in Erinnerung.

Als Kirchenmusikerin mussten Sie sich ja oft nach den Liedwünschen von uns Pastoren, aber ebenso nach den Möglichkeiten und Vorlieben Ihrer Chorsängerinnen und -Sänger richten. Welche Musik mögen Sie denn eigentlich selbst am liebsten? Gibt es da etwas – einen besonderen Komponisten vielleicht – bei dem Ihnen ganz besonders das Herz aufgeht?

Ich mag sehr gerne französische Orgelmusik der Romantik, zum Beispiel die „Toccata“ von Widor, auch Boëllmann, Vierne; schätze aber auch den genialen Komponisten Bach.

Über 30 Jahre sind Sie nun Kirchenmusikerin in unserer Gemeinde. Was hat sich Ihrem Eindruck nach in diesem Arbeitsbereich verändert? Über welche Entwicklungen freuen Sie sich? 

In den 1990er Jahren gab es das Gemeindebüro mit Frau Priß und die Zusammenarbeit mit Pastor Horst. Wir waren an der Dreifaltigkeitskirche eigentlich komplett für uns, auch ich habe zu Beginn fast ausschließlich hier gearbeitet. 

Nach 2001 gab es dann mal ein gemeinsames Singen mit der Martin-Luther-Kantorei in der Dreifaltigkeitskirche in der Osternacht unter der Leitung von Herrn Epp. Aber erst mit Kantor Christoph Kuppler wuchs die Zusammenarbeit im musikalischen Bereich wirklich. Und heute nun – am Ende meiner Dienstzeit – erlebe ich mit Maja Vollstedt eine ganz intensive und sehr angenehme Zusammenarbeit. 

Die Aussage: „Wir sind eine Gemeinde“ war für mich lange Zeit nur ein Motto der Pfarrer, aber nicht spürbar – aber nun entwickelt sich das.

Liebe Frau Holstein, vielen Dank für diesen ausführlichen Rückblick! Für Ihren Ruhestand wünsche ich Ihnen Gottes Segen und viel Freude und Zeit für die Beschäftigungen und Themen, die Ihnen jetzt wichtig sind. Ich und viele Menschen würden sich freuen, Sie auch immer mal wieder bei uns zu sehen – ganz besonders in unsrer Dreifaltigkeitskirche.

Ja, das wünsche ich mir auch. Auch, wenn in der Gemeinde natürlich gespart und Arbeit reduziert werden muss – das sollte nicht zur Schließung dieser ganz besonderen Kirche führen. Und Kirchenmusik gehört untrennbar zu jedem Gottesdienst. Sie muss bestehen bleiben.

Als Gemeinde verabschieden wir uns von Vera Holstein im Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche am 13. September 2026.

Mit Vera Holstein sprach Frank Erichsmeier.

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