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Evie Woods: Die GeschichtenSammlerin

Es ist schon manchmal merkwürdig, aus welchen Gründen man ein Buch kauft. Dieses von der irischen Autorin Evie Woods strahlt einfach durch seinen ungewöhnlichen Rundum-Druck Ruhe, Gemütlichkeit und etwas Besonderes aus. Es ist die Einladung zum Eintreten in diese Bibliothek im Gewand eines alten Backsteinhauses mit Regalen voller Bücher. Und so habe ich das gute Stück voller Neugier ruckzuck erstanden!

Das Buch führt den Leser gleich zu Beginn in das Jahr 1882 in Irland. Lord Thornwood plant für den Bau eines Herrenhauses, das von ihm erworbene Waldgrundstück roden zu lassen. Doch mitten im Gelände steht ein alter knorriger Weißdorn, den die Einheimischen den Feenbaum nennen. Angeblich sollen darunter die Feen ihr Zuhause haben. Wer das „Gute Volk“ stört, muss ihre Strafe fürchten. So wird der Lord von einer Seherin davor gewarnt, diesen Baum anzurühren, denn „Das gute Volk“ würde sich böse an ihm rächen. Dieser jedoch, aus Surrey in England stammend, hält das alles für Humbug und führt seinen Plan aus.

Als seine Frau Zwillinge zur Welt bringt, erfüllt sich der Fluch. Die Mutter leidet unter den Kindern, die ihrer Meinung nach so anders sind, und stürzt sich aus dem Fenster. Die Seherin des Dorfes weiß, es handelt sich um „Wechselbälger“. Das „Gute Volk“ habe sich gerächt und die Menschenkinder durch „üble, kränkliche Seelen ersetzt. Wenn diese nicht sofort hinsiechten, würden sie zu boshaften und zerstörerischen Individuen heranwachsen.“ So weit die Einleitung!

Der Leser wird bereits im folgenden Kapitel abrupt in das Jahr 2010 geführt. Die an einer Angststörung leidende Protagonistin Sarah trennt sich Weihnachten von ihrem Mann und fährt zum Flughafen Newark. Von dort aus will sie nach Boston zu ihrer Schwester fliegen. Dort erfährt sie per Zufall aus einer irischen Tageszeitung von der Autobahn in der Gemeinde Clare, die wegen eines Feenbaums verlegt wurde. Vom Whiskey beseelt bucht Sarah einen neuen Flug nach Shannon in Irland und wohnt dort auf unbestimmte Zeit in Butler`s Cottage. In diesem uralten, aber renovierten Haus fällt ihr ein 100 Jahre altes Tagebuch in die Hände, geschrieben von einer Anna im Alter von 18 Jahren. Voller Neugier fängt Sarah an zu lesen.

Von da an beginnt ein Wechselspiel der Geschehnisse. Die Autorin springt in ihrer weiteren Erzählung vom Jahr 2010 immer wieder zurück in das Jahr 1910, so dass sich die Schicksale von Sarah und Anna zum Teil ineinanderfügen.

So lernt Anna den amerikanischen Studenten Harold kennen, der für seine Abschlussarbeit Geschichten sammelt, die in den Bereich der Sagen, des Aberglaubens und der Legenden gehören. Anna führt ihn im Dorf zu den Geschichtenerzählern. Auf diese Weise erfährt der Leser viel über das Leben in Irland, die starken Familienbindungen, das einfache Leben und vor allen Dingen über Mythen. Dabei steht das „Gute Volk“ im Mittelpunkt, genauso wie die Bewohner des Thornwood Houses. Dort erlebt Anna während einer Gesellschaft den absoluten Horror, bei dem offensichtlich das „Gute Volk“ seine Hände im Spiel hatte.

Zurück in der Neuzeit reflektiert Sarah in ihrem abseits gelegenen Häuschen, warum sie und ihr Mann sich voneinander entfremdet haben. Sie fühlt sich immer mehr angezogen von diesem Irland, das ihre Wunden langsam zu schließen scheint. Gleichzeitig findet sie viele Gemeinsamkeiten zwischen sich und dem Besitzer ihres Ferienhauses, der gleichzeitig der Verwalter des Thornwood Houses ist.

Das Ende der Geschichte lässt Anna und Sarah ohne weitere Gemeinsamkeiten zurück. Die hundert Jahre zwischen den beiden Frauen verändern nicht nur die Denkweisen, sondern auch das Handeln und die moralischen Vorstellungen.

Ich habe das Buch mit Interesse gelesen, mich manchmal an die Geschichten in der Bretagne erinnert und das Äußere des Buches hiermit ganz gut verbinden können. Die Autorin spielt in ihrer Erzählung mit der Realität, dem Unerklärlichen, dem Märchenhaften und der Fiktion, so dass man die Geschichte nicht langweilig findet. Allerdings fühlte ich mich zum Schluss auch manchmal an Rosamunde Pilcher erinnert. Aber auch ein wenig Kitsch kann man zur Entspannung einmal gut lesen!

Andrea Langhans

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