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Oratorio de Noël in St. Michael

Hiddesen. 26.11. 2022. Eine voll besetzte Kirche, ein professionelles Instrumental-Ensemble, ein großer gemischter Chor mit einem erfreulichen Anteil jugendlicher Stimmen – das war allein vom Anblick her ein festlicher Auftakt in ein hochkarätiges Konzert. Der Altarraum fasste kaum den großen Chor, der sich aus drei gemischten Einzelchören zusammensetzte, nämlich dem MichaelisChor Hiddesen, dem Neuen Chor Warburg – beide Chöre von Annette Schmidt-Höngen geleitet – und dem Hiddeser Jugendchor VoiceKamp, einstudiert von seinem Leiter Max Jenkins. Fünf Gesangs- und zwei Instrumentalsolisten bereicherten den Klangkörper, der begleitet wurde von dem Instrumentalensemble La Réjouissance unter seinem Konzertmeister Gregor van den Boom.

Eröffnet wurde das Konzert mit vier englischen Christmas Carols des Chores und zwei Solostücken. Schon die einleitende Weihnachtshymne „Hark, the Herald Angels sing“ (Hört der Engel große Freud) von Felix Mendelssohn Bartholdy machte eindrucksvoll deutlich, dass da nicht drei Einzelchöre standen, sondern ein einziger homogener, sehr fülliger Klangkörper sang. Zwei Strophen in angemessen schlichter Weise vorgetragen, die dritte in festlicher Steigerung in beachtlichen Höhen vom Sopran jubelnd überstrahlt, bezeugten hier schon klar das Niveau des Gesamtabends. Einen ähnlichen Eindruck vermittelte das die Chorstücke abschließende „O come, all ye faithful“ (Herbei, o ihr Gläubigen). Fließende Melodiebögen mit klaren, aber nicht aufdringlichen Abschlüssen bei guter Textverständlichkeit zogen sich durch alle Chorbeiträge, was nicht zuletzt dem konzentriert dem Klangkörper zugewandten Dirigat von Annette Schmidt-Höngen geschuldet war.
Die instrumentalen Zwischenstücke schufen Abwechslung in Klang und Klangfarbe. Michael Schmidt an der Orgel spielte in gewohnter Souveränität die Fantasie „Grand Chœur“ über ein französisches Weihnachtslied von César Franck, die, häufig rhythmisch pointiert, in Teilen aber auch kammermusikalisch filigran oder glanzvoll festlich vorgetragen, ein Gegengewicht zu den überwiegend lyrischen Christmas Carols bildete. Auch als Begleiter der Chorbeiträge an der Truhenorgel, ob dezent im Hintergrund agierend oder auch mal solistisch hervortretend, war er eine absolut verlässliche und sichere Stütze. Eine Harfe als Solo- und Ensembleinstrument zu hören, bietet sich nicht allzu häufig Gelegenheit. Im „Oratorio de Noël“ das Streicherensemble ergänzend, hatte die Harfenistin Sterre Koopman im ersten Teil des Konzerts auch Gelegenheit, sich in schöner Klangqualität als Soloharfenistin mit Variationen über ein altes Weihnachtslied von Marcel Samuel-Rousseau vorzustellen. Im weihnachtlich-lyrischen „Angel’s Carol“ (Lied der Engel) von John Rutter ergab sich im Zusammenspiel der Harfe mit den strahlkräftigen Solosopranistinnen Myriam Anna Dewald und Pia Viola Buchert eine weitere berührende Klangmischung.
Camille Saint-Saëns war 23 Jahre alt, als er als Organist an der Pariser Kirche „La Madeleine“ sein Weihnachtsoratorium komponierte, das „Oratorio de Noel“. Er näherte sich der Weihnachtsgeschichte auf sehr eigene Art, indem er Evangelien – und Psalmentexte in lateinischer Sprache selbst zusammenstellte.
Dieses eher lyrische und besinnliche Werk stand im Mittelpunkt des Konzertes. Die besinnliche Grundstimmung beschwört schon die einleitende Hirtenmusik, die klangvoll und sensibel von Orchester und Orgel vorgetragen wurde. Der zweistimmige, sehr schlichte Orgelbeginn des Themas geht leicht ins Ohr, so dass man ihn als Klammer des Werkes behält, wenn er im vorletzten Teil „Consurge, filia Sion“ (Steh auf, Tochter Zion) von Orgel und Streichern erneut angestimmt und anschließend von Tenor, Solistenquartett und Chor variiert aufgegriffen wird. Die Solisten, zusätzlich zu Sopran und Mezzosopran die Altistin Claudia Burkert, der Tenor Lennart Hoyer und der Bass Gottfried Meyer, viel auch in wechselnden solistischen Ensembles oder mit dem Chor konzertierend, überzeugten durch Homogenität, Glanz und saubere Intonation. Dynamische bzw. Charakterwechsel von lyrisch – stimmungsvoll zu aggressiv aufbegehrenden Teilen gelangen überzeugend. Gleiches gilt vom Chor, der aber überwiegend Lyrisches zu bewältigen hatte. Wunderbar der Frauenchor, das Tenorsolo in Teil vier, „Domini, ego credidi“ (Ja, Herr, ich glaube) reflexiv unterbrechend. Wie ‚nicht von dieser Welt’, überwiegend in kleinsten Intervallen sich bewegend, bildete er einen verhaltenen, zwar statischen, aber doch unmerklich fließenden Klangteppich. Und das, ohne „abzusacken“, was allein schon eine Kunst für sich ist!
Das festliche „Tollite hostias“ (Bringet Geschenke) des Chores bildet den krönenden Abschluss des Werkes. Die Solisten stimmten mit erkennbarer Freude in den überwiegend homophonen, klar strukturierten Chorsatz ein, der sich zum jubelnden Alleluia steigert und von daher Stimmkraft erfordert, die aber scheinbar anstrengungslos zum Einsatz kam. Das „Laetentur coeli“ (Die Himmel sollen sich freuen) im Mittelteil wirkte dagegen als Kontrast leicht und tänzerisch, welchen Charakter die Dirigentin gekonnt den Wort- bzw. Silbenbetonungen entlockte.
An dieser Stelle sei noch einmal auf die überragende Arbeit von Annette Schmidt-Höngen hingewiesen. Drei Chöre zu einem homogenen Klangkörper zu vereinen, im Dirigat dem Chor und Orchester Phrasen, rhythmische Besonderheiten und Textgestaltung überzeugend zu vermitteln und das Ganze zu einem Guss zusammenfließen zu lassen, erfordert hohen Respekt. Respekt gebührt aber auch den Solistinnen und Solisten, dem Orchester, den beiden Erwachsenenchören und dem VoiceKamp samt seinem Leiter Max Jenkins. Diese hoch konzentriert und mit vollem Einsatz singenden Jugendlichen haben sicherlich nicht zuletzt zum außergewöhnlichen Glanz des Chores beigetragen.
Das Publikum im ausverkauften Kirchengebäude dankte allen Beteiligten mit langanhaltendem Beifall und „erzwang“ sich auf diese Weise eine Zugabe. Zum zweiten Mal erklang „Tollite hostias“, fast freudiger noch und jubelnder als das erste Mal. Das Publikum war deutlich in die Stimmung des Werkes eingebunden. Es wirkte nicht nur dankbar und anerkennend, sondern fast eher noch berührt und ergriffen, was Einzelgespräche im Nachhinein bestätigten.
Fazit: Ein Konzert, in dem musikalisch, stimmungsmäßig und menschlich-berührend alles stimmte. Einen angemesseneren Auftakt zum ersten Advent konnte man sich nicht vorstellen!

Susanne Bent

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