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Ein Besuch in der Paramentenwerkstatt

Betritt man den großen Kirchenraum der Martin-Luther-Kirche, fällt der Blick, angezogen durch die Farbigkeit, in den Altarraum, auf die großen wunderbaren Chorfenster und die darunter angeordneten Paramente – die Tücher, mit denen der Altar, die Kanzel und das Lesepult geschmückt sind. Sie „bereiten den Tisch zum Gottesdienst“ (lateinisch: parare – bereiten, mensa – der Tisch). Die Tücher, Teil der liturgischen Ausstattung und in den entsprechenden Farben des Kirchenjahres violett, weiß, rot, grün und schwarz gewebt, tragen zur Bedeutung des jeweiligen Festtages oder des Kirchjahresabschnitts bei und zeigen solches der Gemeinde an. 

Unsere Paramente begleiten den Gottesdienst schon seit einigen Jahrzehnten und sind „etwas in die Jahre gekommen“. Die Web- und Stickarbeiten, wiewohl sorgfältig und gut aufbewahrt, haben unter den Temperaturschwankungen und der Feuchtigkeit in dem großen Gebäude gelitten, die Gewebe brechen und lösen sich auf, sie müssen restauriert bzw. ausgetauscht werden. Als besonders schadhaft stellen sich die grünen Paramente heraus, die in der Zeit nach Epiphanias, vor Aschermittwoch und in der Trinitatiszeit am häufigsten ausgelegt werden.

Der Kirchenvorstand hat Erkundigungen über Paramentenwerkstätten eingeholt und sich auf den Weg gemacht, um sich mit Fachleuten über die Neuanschaffung auszutauschen. Die Wahl ist auf die Paramentenwerkstatt in Ratzeburg gefallen, direkt am Dom auf der Ratzeburger Dominsel beheimatet.

Hier, direkt an den schönen alten Kreuzgang angrenzend, im ehemaligen Dormitorium des Klosters, haben sich vier Frauen den altehrwürdigen Handwerkstechniken Weben, Sticken und Nähen mit ganzem Herzen verschrieben und den Mitgliedern des Kirchenvorstands einen Einblick in ihre Tätigkeit und die Werkstatt gegeben. Eine große Vielfalt an Werkstücken, die gerade bearbeitet werden oder die bereits ihren Platz in einem kleinen oder großen Gotteshaus gefunden haben, ist von uns bewundert worden. Wir haben den profunden Kenntnissen über christlichen Glauben und Liturgie gelauscht und feststellen können, wie intensiv und feinfühlig sich die Kunsthandwerkerinnen mit den jeweiligen Kirchräumen und den Auftraggebern auseinandergesetzt haben. Die unterschiedlichsten Orte, geprägt durch Baustil, Einrichtung und Farbe, sind von den Frauen erfasst und mit einbezogen worden in ihre Entwürfe, die dann das jeweilige Ensemble aufs Schönste vervollständigt haben. 

Die Mitglieder des Kirchenvorstands haben sich einvernehmlich aufgrund der beeindruckenden Erlebnisse entschieden, die Ratzeburgerinnen zu einem Gegenbesuch in unsere Kirche einzuladen und sind gespannt auf die Vorschläge der Künstlerinnen „in Wolle und Stoff“.

Friederike Miketić



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