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Asche auf mein Haupt oder Schwamm drüber

„Der Croagh Patrick ist ein 764 Meter hoher Berg im County Mayo im Westen der Republik Irland. Seit Hunderten von Jahren ist der Croagh Patrick zu Ehren des heiligen Patrick eine Wallfahrtsstätte. Im Jahr 441 stieg der Patron Irlands auf diesen Berg, fastete dort 40 Tage lang und erbaute eine Kapelle. Der Legende nach warf er an einer Seite des Berges eine Glocke hinab und vertrieb damit alle Schlangen von der irischen Insel. Jährlich steigen Tausende von Pilgern den Berg hinauf, viele tun dies barfuß, soweit Wikipedia. 

Während unseres Irlandurlaubs im Jahre 2011 haben wir ihn bestiegen, den Croagh Patrick, und ich werde den Anblick eines dieser Barfußpilgerer nie vergessen: wir begegneten ihm beim Hinaufsteigen, er kroch auf allen Vieren, blutend an Händen und Füßen, die Kleider staubig und zerrissen von Dornen und Ästen unterwegs.  

Und wir begegneten ihm beim Hinuntersteigen, immer noch auf allen Vieren kriechend und nicht viel weitergekommen, denn man kommt nicht weit, wenn man auf allen Vieren einen Berg hinuntersteigt. Auf meine mitleidige Frage, ob ich ihm helfen könne, lehnte er entschieden ab. Bis heute frage ich mich, was der Grund gewesen sein könnte, sich so zu quälen. 

Es ist eine lange Tradition, die Selbstqual als eine Art Mitleiden mit den Qualen Christi auf seinem Weg zum Kreuz. Es ist eine lange Tradition, die Selbstqual als eine Form von Wiedergutmachung für begangene Sünden. Ich frage mich hin und wieder immer noch, was dieser Mann wohl verbrochen hatte, dass er sich so quälte. 

Nachdenklich daran macht mich, dass Menschen offenbar begangenes Unrecht als so drückend empfinden, dass sie eine wie auch immer geartete Bußleistung erbringen. 

Das ist uns Evangelischen fremd. Wir sind schnell bei der Hand mit der Rede vom liebenden Gott, der mit Blick auf seinen Sohn, der für alle Sünden ein für alle Mal gebüßt hat, Sünden vergibt.Schwamm drüber, ja, aber vielleicht nicht ganz so schnell und so leichtfertig, wie wir das manchmal tun. 

Schuld kann schwer wiegen, erst recht, wenn Menschen dadurch bleibend zu Schaden gekommen sind. Das aufrichtig zu bereuen und, wo es geht, wieder gut zu machen widerspricht nicht der Rede vom liebenden Gott. 

Im ersten Johannesbrief lesen wir: „So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend. So wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns“ (1. Johannes1,8-10).

In der katholischen Kirche wird die Passionszeit am Aschermittwoch mit einem Aschekreuz auf der Stirn der Gläubigen eingeläutet. Dieser Ritus hält fest: wir Menschen sind Staub und zerfallen am Ende wieder zu Staub, wir Menschen können einander tödlich verletzen, aber wenn wir unsere Schuld bereuen, werden wir nicht endgültig vergehen, sondern in die Hände des lebendigen und liebenden Gottes fallen, zu dem wir dank Jesu Kreuz und Auferstehung gehören. 

Das Kreuz aus Asche auf der Stirn ist das Zeichen des Todes und des Lebens zugleich.

Christa Willwacher-Bahr

Croagh Patrick

Croagh Patrick



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