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„Summ, summ, summ …“

„Summ, summ, summ …“

 

„Summ, summ summ! Bienchen summ‘ herum“ so beginnt eines der beliebtesten Kinderlieder. Haben Sie die Melodie auch automatisch im Ohr?

Honig als Aufstrich am Morgen auf das Brötchen oder das Brot … Schmecken Sie es auch schon auf der Zunge allein bei der Vorstellung?

Aber „Halt“! – Vor dem Vergnügen steht eine Menge Arbeit: zunächst einmal für unheimlich viele Bienen, die den Nektar sammeln und zu Honig umwandeln. Dann für den Imker, der ihn entnimmt.

Peter Jaster und Dietrich Horstmann aus Detmold sind zwei leidenschaftliche Imker und geben uns einen kleinen Einblick in ihre „Arbeit“.
Bei dem Interview sitzen wir auf der Terrasse von Peter Jaster. Im Hintergrund fliegen einige wenige Bienen vor den vier aufgestellten Bienenstöcken. Die Temperatur ist an diesem Tag Anfang August untypisch niedrig und das Wetter unbeständig. So hält sich die Aktivität vor den Bienenkästen in Grenzen.

Imker Horstmann und Imkerr Jaster

Herr Jaster, Herr Horstmann, haben Sie in diesem Jahr schon Honig geerntet?

Ja, Ende Mai / Anfang Juni wird die Frühtracht geerntet, die Sommertracht im Juli / August. Dies Jahr macht der Ertrag aber nur etwa 40% der Menge des üblichen Ertrags der vergangenen Jahre aus. Das Wetter war zu durchwachsen.

 

Was ist der Grund?

Honig soll nur maximal 18 % Wasser enthalten. Liegt er höher, muss er länger in den Waben bleiben. Die Bienen sammeln den Nektar und verarbeiten ihn im Bienenstock zu Honig, indem sie Wasser entziehen. Erst wenn der Honig „reif“ ist, verdeckeln die Bienen die einzelnen Zellen in der Wabe. Dann weiß der Imker, dass er ernten kann. Bei einem zu hohen Wassergehalt kann der Honig später gären. Die Bienen schützen ihre Vorräte also, indem sie sie trocknen. Ansonsten würden sie schnell verderben.

 

Der Ertrag hat also nichts mit der Nahrungssuche zu tun?
Doch auf jeden Fall auch. Das Nahrungsangebot ist in den vergangenen Jahren schon zurückgegangen. Natürlich gibt es noch eine Menge Pflanzen, aus deren Blüten die Bienen den Nektar ziehen können. Aber es ist weniger geworden.  Es gibt im Mai zwar große Rapsfelder, in deren Umgebung man die Bienenstöcke stellen kann. Aber wenn der Raps verblüht ist, finden die Bienen dort nichts mehr. Danach  beginnt die Sommertracht mit Sommerblumen, Robinie- oder Lindenblüte.

 

Wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?

  1. Jaster: In meiner Familie hat das Imkern Tradition. Meine Tanten haben das schon 1948 angefangen und die Imkermeisterprüfung 1959 bestanden. Im Jahr 2001 habe ich von ihnen vier Völker übernommen.
  2. Horstmann: Ich betreibe die Imkerei seit 29 Jahren. Mein Onkel hatte bei Lippstadt Bienen stehen. Als er sie Anfang der 90er Jahre aufgeben wollte, habe ich mich von heute auf morgen während der Rückfahrt von ihm im Auto entschieden, das zu übernehmen.

 

Wie lernt man das Handwerkszeug zum Imkern? Braucht man da eine Ausbildung?

Anfänger sollten unbedingt einen Kurs belegen und sich im örtlichen Imkerverein informieren. Man kann als Imker schon einiges falsch machen, daher ist es ratsam einen erfahrenen Imker zur Seite zu haben.  Der Weg vom Nektar bis zum Honig und die Pflege der Bienen ist schon komplex.

 

Der Honig im Glas, der leckere Brotaufstrich ist ja das süße Endprodukt. Davor ist manches zu tun. Erzählen Sie mal.

Genau genommen beginnt die Arbeit für den Ertrag eines Jahres schon im August des Vorjahres. Dann wenn der letzte Honig geerntet ist  – meistens im August, müssen die Bienen z.B. mit Zuckersirup gefüttert werden. Ihr Wintervorrat wurde ja entnommen und nun brauchen sie neuen. Außerdem werden alte dunkle Waben entnommen und gegen neue ausgetauscht.

Im Februar/ März stehen die nächsten Vorarbeiten an: die Vorräte werden kontrolliert.  Außerdem werden die abgestorbenen Bienen, die auf dem Bodenbrett liegen, entfernt.

In dieser Zeit beginnen die Bienen aber auch schon auszufliegen.  Ab einer Temperatur von 10 Grad geht es los: Schneeglöckchen, Krokusse und erste blühende Weiden werden angeflogen und mit deren Pollen wird die erste Brut gefüttert.

In den kommenden Wochen gilt es dann zu beobachten, wie sich das Bienenvolk entwickelt.

Zur Kirschblüte wird über den Brutraum ein sogenannter Honigraum mit zehn Waben aufgesetzt, in den die Bienen den gesammelten Nektar eintragen. Bei reichem Blütenangebot durch Obstbäume oder Raps kann eventuell ein zweiter Honigraum obendrauf gesetzt werden.

Anfluglöcher von Bienenstöcken

Wie stark kann ein Volk werden?

Eine einmal begattete Königin legt bei gutem Pollenangebot in der Brutphase bis zu 2000 Eier pro Tag. Das hängt aber immer vom Alter der Königin (maximal drei bis vier Jahre) und vom Nahrungsangebot ab. Das bedeutet, dass ein Volk im Mai / Juni bis zu 50.000 Bienen umfassen kann. Wobei man wissen muss, dass die Arbeitsbienen im Sommerhalbjahr nur vier bis sechs Wochen leben.

 

Was sind Ihre weiteren Aufgaben als Imker?
In der Hochzeit der Blüte im April bis Juni schauen wir alle acht bis neun Tage in den Stock. Erstens muss man immer im Blick haben, ob das Volk ausreichend Platz / Waben hat für Brut und zur Einlagerung von Pollen und  Nektar.

Zweitens sind manche Völker in dieser Zeit besonders schwarmfreudig, was es zu verhindern gilt. Im Schwarm verlässt die alte Königin mit einem großen Teil des Volkes den Stock. Bis die Jungkönigin für hinreichend Nachwuchs gesorgt hat, bringt das Volk dem Imker kaum Ertrag.

Wenn die Honigwaben gefüllt und die Zellen verdeckelt sind, ist das ein Zeichen, dass der Honig  geerntet werden kann. Dazu entnehmen wir die Honigräume.
Vor dem Schleudern müssen die Waben mit einer speziellen Gabel entdeckelt werden. Dann werden sie in der Honigschleuder zentrifugiert und der flüssige Honig wird durch ein Doppelsieb gefiltert. So werden Wachsreste entfernt.

Im Anschluss können die leeren Waben den Bienen wieder zurückgegeben werden.

Eine vollständig verdeckelte Wabe enthält etwa drei bis vier Gläser Honig.

 

Wie kommt man denn an die gefüllten Waben heran? Die Bienen werden den Vorrat ja nicht freiwillig hergeben.

Bei der Arbeit am Bienenvolk setzt der Imker Rauch ein, um die Bienen zu beruhigen.

Früher hat man häufig dafür eine spezielle Pfeife genommen; wir verwenden einen sogenannten Smoker – eine Brennkammer mit Blasebalg. Die Bienen ziehen sich dann in den unteren Teil des Brutraums zurück, weil sie von Feuergefahr ausgehen gegen die sie machtlos sind.

Zur Honigernte legt man am Tag vorher eine „Bienenflucht“  – eine Art Schleuse, die nur von einer Seite durchgängig ist, zwischen Honigraum und Brutraum. Im Laufe des Tages ziehen sich die Bienen aus dem Honigraum zurück, da sie Kontakt zur Königin brauchen.

 

 

BienestockWas passiert dann mit der Ernte?
Der Honig wird nach dem Schleudern zweimal gesiebt – zunächst mit einem doppelten Grobsieb und dann mit einem Feinsieb. Dadurch werden Wabendeckel, Chitinteilchen, Wachsteilchen, etc. entfernt. Das ist wichtig, weil es sich ja um ein Lebensmittel handelt, das rein sein muss.
Damit der Honig nicht zu grob kristallisiert, wird er mehrere Tage gerührt. Je häufiger das geschieht, desto feiner wird er. Trotzdem wird er irgendwann bis zu einem gewissen Grad kristallisieren, da er ja viele Zuckerkristalle enthält.

 

Als Imker braucht man also schon eine Menge Fachwissen und auch ein paar „Werkszeuge“. Können Sie noch mal ein paar nennen?

Die Schleuder wurde schon genannt. Sie ist auch das teuerste. Am Anfang leiht man sie sich meistens.  Weitere Hilfsmittel sind die schon erwähnten Smoker oder Pfeifen, die Entdeckelungsgabel, die Siebe und  ein „Stockmeißel“ – ein Werkzeug, mit denen die Waben aus der Zarge gelöst werden.

Und wichtig ist ein Schutzanzug mit dem Netz vor dem Gesicht, mit dem man sich beim Arbeiten am Bienenstock vor Stichen schützt.

 

In der Zeitung lese ich immer wieder von Krankheiten der Bienen, mit denen sich die Imker auseinandersetzen müssen. Um welche handelt es sich?

Zunächst ist hier der Befall mit der Varroamilbe zu nennen, ein vor vielen Jahren aus Asien eingeschleppter  Parasit. Sie ist praktisch immer da; man muss aber darauf achten, dass die Anzahl der Milben im Volk nicht zu hoch wird, da sonst das ganze Volk sterben kann.

Wir versuchen sie im Griff zu behalten, in dem wir sie nach der Honigernte im August mit Ameisensäure bekämpfen, die die Milben abtötet. Das geschieht ein bis zweimal im Spätsommer. In nicht zu hoher Konzentration wird sie zum Verdunsten in den Bienenstock eingebracht.

Anfluglöcher von Bienenstöcken

Was hat es mit der „Faulbrut“ auf sich, von der immer wieder als Gefahr für Bienen zu lesen ist?
Bei der Faulbrut handelt es sich um ein Bakterium, das die komplette Brut eines Stocks vernichtet. Über das Füttern gelangt der Erreger in das Innere der Larve und tötet sie. Hat man Faulbrut festgestellt, müssen die befallenen Völker abgetötet werden.

Faulbrut ist beim Veterinäramt meldepflichtig und hat zur Folge, dass ein Sperrbezirk eingerichtet wird, aus dem keine Bienenvölker herein- oder herausgebracht werden dürfen.

 

Imkerei ist doch eine Menge Arbeit, wie ich höre.
Ja, es ist mit Arbeit verbunden. Aber das ist saisonal eben sehr unterschiedlich. In der Trachtzeit, wenn die Bienen viel Nektar sammeln, muss man schon regelmäßig in die Bienenkästen schauen. Dann ist es mit wochenlangem Urlaub schwierig. Aber es gibt ja auch die ruhigeren Phasen.
Außerdem entwickelt man eine viel größere Sensibilität in die ökologischen Zusammenhänge, die ersten Frühblüher, Vielfalt des Blühangebots in der Umgebung und für andere Blütenbesucher.

 

Vielen Dank für die Einblicke in dieses faszinierende Hobby. Ich werde den Honig in

Zukunft noch mal anders genießen.

Das Interview führte Lars Kirchhof

Bienenwabe



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