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An(ge)dacht – Besondere Anlässe

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. (1. Thessalonicher 5,16-18)
Kreuzweg in den Alpen

Kreuzweg in den Alpen

Beim Nachdenken über den Satz des Apostels Paulus, den Monatsspruch für Juli, fiel mir wieder folgende Geschichte ein, die ich vor Wochen gelesen hatte:

Ein Mann öffnete die Kommodenschublade seiner Ehefrau und holte ein in Seidenpapier verpacktes Päckchen heraus. Es war nicht irgendein Päckchen, sondern ein Päckchen mit sehr feiner Wäsche darin. Er betrachtete die Seide und die Spitze. Dann drehte er sich zu seinem Freund um und sagte „Dies kaufte ich, als wir zum ersten Mal in New York waren. Das ist jetzt 8 oder 9 Jahre her. Sie trug es nie. Sie wollte es für eine besondere Gelegenheit aufbewahren. Und jetzt, glaube ich, ist der richtige Moment gekommen!“ Er näherte sich dem Bett und legte die Wäsche zu den anderen Sachen, die das Bestattungsinstitut mitnehmen würde. Seine Frau war gestorben. Nach einem Moment des Abwartens antwortete der Freund: „Bewahre nichts für einen besonderen Anlass auf! Jeder Tag, den du lebst, ist ein besonderer Anlass“.

Dieser Satz veränderte das Leben des Mannes von Grund auf. Anstatt ständig zu putzen, las er viel mehr als früher. Er saß häufiger auf seiner Terrasse und genoss die Landschaft, ohne auf das Unkraut im Garten zu achten. Er verbrachte mehr Zeit mit seiner Familie und seinen Freunden und weniger Zeit bei der Arbeit. Er hatte begriffen, dass das Leben eine Sammlung von Erfahrungen ist, die es zu schätzen gilt. Von jetzt an bewahrte er nichts mehr auf. Er benutzte häufiger die guten Gläser.

Wenn ihm danach war, trug er sein neues Hemd, um in den Supermarkt zu gehen. Sätze, wie z.B. „Eines Tages…“ waren aus seinem Vokabular verbannt. Für ihn war klar: Jeder Tag ist etwas Besonderes… jeder Tag, jede Stunde sowie jede Minute ist etwas Besonderes. (Quelle: Nicht zu glauben. Geschichten & Reflexionen, 2019)

Der Sommer steht vor der Tür. Für viele Menschen ist es die schönste Zeit im Jahr. Die Tage sind lang und hell. Die Natur steht in voller Kraft. Lange Sommerabende laden ein, bei Wärme noch draußen zu sein. Mitten in dieser Zeit liegt für viele Menschen der Urlaub bzw. die Ferien: Abschalten vom Alltag, den Garten genießen oder Ausflüge machen. Vielleicht sind sogar Reisen trotz der noch nicht endgültig besiegten Pandemie in begrenztem Rahmen möglich. Ich zähle zu denen, die sich auf diese Jahreszeit besonders freuen.

Die nacherzählte Geschichte ermutigt mich, diese Sommerzeit zu genießen trotz mancher Verpflichtungen. Und sie ermahnt mich, diese Zeit aber nicht höher zu bewerten als andere Zeiten, sondern jeden Tag als Geschenk wahrzunehmen.

Der Apostel Paulus drückt das mit seinen Worten aus: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“

In seinem Brief an die Gemeinde in Thessaloniki erinnert er die Gemeindeglieder an die Gründung ihrer Gemeinde, an die Auseinandersetzung mit Widersachern, an das Wachsen. Und dann blickt er auf das Ende: Vor dem Hintergrund von Christi Sterben und Ostern dürfen die Thessalonicher und wir auf die Auferstehung und die Zukunft vertrauen. Es wird, so Paulus, der Tag des Herrn kommen und dann sollen die „Kinder des Lichts“ zugleich mit ihm leben. Zuversicht will Paulus vermitteln, die schon in die Gegenwart hineinwirkt. Das Leben in der Welt ist begrenzt, aber weil es eine Zukunft gibt, hat schon jeder Tag im Hier und Heute eine besondere Qualität. Wir können uns über ihn freuen und ihn als ein Geschenk empfangen.

Ich mag den Sommer mit seinen Möglichkeiten besonders und nehme mir vor, ihn trotz noch möglicher Einschränkungen bewusst zu empfangen und zu genießen. Jeder Tag darin ist etwas Besonderes… jeder Tag, jede Stunde sowie jede Minute. Darum: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“

Eine erfüllte und gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen auch im Namen meiner Amtskollegen

Ihr Lars Kirchhof


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